Startseite | Impressum | Weitersagen | Sitemap

Inspektionsreise 2011

Bericht von Herbert Weihmann, Februar 2011

Liebe Paten, liebe Freunde,

da ist es wieder, dieses Gefuehl in eine fremde Welt einzutauchen. Es ist heiss in Kochi/Kerala, es ist laut, es ist schmutzig und doch ist man vom ersten Moment an fasziniert. Viermal war ich nun schon hier und doch ist beim fuenften Mal wieder alles neu. Erstaunlich nur: ich habe den Eindruck, nur kurz weg gewesen zu sein.

Was erwartet mich diesmal? Zu Hause habe ich mir einen Reiseplan zurechtgelegt. Wo muss ich ueberall dringend hin um etwas zu regeln, für welche Wuensche soll und muss ich für unsere Paten gezielt Heime oder Familien besuchen, wo werde ich diesmal nicht gebraucht und wer erwartet bestimmt meinen Besuch? Alles ist fein saeuberlich aufgelistet und im Balkendiagramm festgehalten. Trotzdem weiss ich, dass es alles ganz anders kommen wird, weil Probleme bereitliegen, ueber die ich zwar schon informiert bin, aber deren Dimension erst hier vor Ort in ihrer ganzen Brisanz deutlich werden.

Schwerpunkte 2011

Indisches MädchenDas Programm der Inspektionsreise 2011 hat einen anderen Schwerpunkt als die Reisen der Vorjahre. Es geht um Bauaufsicht bei Neu- und Anbauten, Renovierungen und Fertigstellungen von Heimen und Haeusern unserer Patenfamilien. Es stehen Fragen zur Zusammenarbeit mit indischen Behoerden und Verhandlungen zu Unterstuetzungsantraegen von anderen Einrichtungen auf dem Programm. Es gilt administrative und Managementprobleme in gleich 3 der von uns gefuehrten Heime zu loesen. Viele Paten haben mir Ihre Briefe und liebevollen Sondergaben anvertraut und andere haben lange nichts von Ihren Patenkindern oder -familien gehoert und bitten um eingehende Information. Auch einige Irritationen moechte ich gerne aus der Welt schaffen.

Um es gleich vorweg zu sagen, es ist gelungen, alles zu einem Ende zu fuehren, auch wenn ich diesmal schmerzlich erfahren musste, wie schwer es ist, gegen die emotionale Befangenheit rationale Entscheidungen zu treffen und auch nein zu sagen. Trotz allem Elend, das ich taeglich vor Augen hatte, ist es mir hoffentlich gelungen, die richtigen Prioritaeten bei unserer Hilfe zu setzen.
Es ist tatsaechlich gelungen, alle Patenwuensche zu erfuellen und darueberhinaus die eine oder andere Fotostrecke zusaetzlich zu verschicken. Das freut mich besonders und macht zufrieden.

Probleme und Erfreuliches

Eine Problematik ist im Wesentlichen unveraendert. Die fehlenden Netzkapazitaeten des Internets, verbunden mit zeitweiligen Stromausfaellen machen eine geregelte Kommunikation eigentlich nur von unserem Buero aus moeglich. Da ich mich dort aber nur die wenigste Zeit aufhalte und mich ansonsten immer irgendwo einloggen muss, wird das Absetzen und Empfangen von e-mails fast zum Gluecksspiel, das viel Geduld und Nachtarbeit erfordert, weil dann die Chance groesser ist, eine Leitung auch für einen laengeren Zeitraum für sich zu haben.

Es gibt aber auch andere Trends ueber die man erfreut sein kann. In vielen Bereichen, durch die wir kamen, haben wir zaghafte Ansaetze von Strassenreinigung und Muellabfuhr gesehen. Um alles das, was über Jahrzehnte oder noch laenger nicht weggeraeumt wurde, auf Halden, die es noch nicht gibt, zu verbringen, bedarf es sicher noch einer ganz intensiven Ueberzeugungsarbeit und Organisation, aber der Ansatz ist doch schon mal etwas.

Was sich wohl nicht mehr aufhalten laesst, ist der Verkehrskollaps in den Staedten und Ortschaften. Zu den bestehenden Problemen hat sich nun ein unheilvoller Trend zu Kleinwagen und zig-tausenden Two- und Threewheelers (Krafträder und Motorrikschas) herausgebildet. Die Fahrer sind gnaden- und ruecksichtsloser als der sowieso schon ans kriminell grenzende Lkw- und Busverkehr. Sie draengeln sich in dichten Pulks auch in die letzten noch verbleibenden Luecken im Verkehrschaos und sind die haeufigste Ursache für Unfaelle mit zum Teil verheerenden Folgen für sich und andere. Es geht zeitweilig ueberhaupt nichts mehr. Die Polizei tut bis auf unsinnige Blitzeraktionen, unsinnig deswegen, weil sowieso niemand zu schnell fahren kann, und lustlose Versuche der Verkehrsregelung wenig bis gar nichts. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn der Versuch in diesem Chaos Recht und Ordnung zur Geltung zu bringen, wuerde bei diesem Stand vorhersehbar ein viel groesseres verursachen.

Mitarbeiter des Büros in Kolencherry und Rechunungsprüfer Cordes (Mitte)Dafuer ist sie an anderer Stelle ausgesprochen aktiv und kreativ, naemlich in der unangemeldeten und wiederholten strengen Kontrolle unseres Bueros und unserer Heime. Auch waehrend meines Aufenthalts gab es wieder so einen Besuch der Kriminalpolizei. Das ist zwar laestig, da sie aber bisher keine Maengel in der Buchfuehrung und Rechnungslegung feststellen konnten, ist das für uns eine zusaetzliche Garantie fuer die Verlaesslichkeit unserer Mitarbeiter. Zu dem gleichen Ergebnis kam ich bei einem intensiven Gespraech mit den Wirtschafts- und Kassenpruefern, die einen beanstandungsfreien Nachweis bescheinigten. Bei dieser Gelegenheit hat unser interner Rechnungspruefer, Herr Cordes, gleich seine indischen Profi-Kollegen kennengelernt.

nächste Seite >>

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4