Startseite | Impressum | Weitersagen | Sitemap

Inspektionsreise 2015

Bericht von Herbert Weihmann
Kolenchery, im Februar 2015

Liebe Paten, liebe Freunde,

nun bin ich wieder in Indien. Diesmal flog ich mit sehr zwiespältigen Vorahnungen in die schwüle Hitze des Subkontinents. Seit meinem letzten Besuch und dem Zwischenaufenthalt im September 2014 haben sich viele neue und unbekannte Aspekte für die Arbeit mit unseren Heimen ergeben, die ich versuchen will zu verstehen. Hier liegt der eindeutige Schwerpunkt der diesjährigen Reise.

Dabei geht es vorrangig um die bereits beschriebene Zusammenarbeit bzw. die Abhängigkeit von der neueren indischen Gesetzgebung und deren Auslegung durch die Behörden, die in den verschiedenen Distrikten Keralas und Tamil Nadus, ich möchte fast sagen, über uns hereingefallen sind. Es fängt bereits damit an, dass Kerala die Gesetze der Zentralregierung nicht anerkennt, sondern andere Wege der Kontrolle über die Heime, der Genehmigung insgesamt und im Besonderen der NGOs (Nichtregierungsorganisationen) geht. In Tamil Nadu hingegen laufen sämtliche Verfahren nach den Buchstaben der beiden für das Wohlergehen der Kinder maßgeblichen Gesetze „Juvenile Justice Act“ (JJA) und „Integrated Child Protection Scheme“(ICPS).

ärmliche Hütte in KolencheryDiese Gesetze sind nicht neu, aus 2000 und aus 2006 und basieren auf der indischen Ratifizierung der UN-Convention on the Rights of the Child (aus 1989), wurden aber 2011 nach mehrjähriger Nichtbeachtung mit Urgewalt umgesetzt, was dazu führte, dass die im JJA geforderten Committees (i.e. staatliches Kontrollgremium mit weitreichenden Kompetenzen) umgehend mit Personal besetzt wurden, dessen Kenntnisse um Kinderheime eher begrenzt war. Das führte naturgemäß, bar jeglichen Realitätssinns, zu Entscheidungen und Maßnahmen, wie z.B. ungerechtfertigten und vorschnellen Schließungen von Heimen anstatt zuallererst einmal durch soziale Gesetzgebung den Hunger und das Elend der Kinder in den Behausungen der Familien zu bekämpfen. Im Vergleich dazu sind die Lebensumstände in unseren Heimen auch im gegenwärtigen Standard nahezu paradiesisch und die Kinder dort sehr zufrieden und glücklich.

Die Committees sind inzwischen in der Realität angekommen, weil sie durch ihre praktische Arbeit erkennen mussten, dass an die weit überzogenen Forderungen des ICPS insgesamt gar nicht und staatlicherseits weniger als von den NGOs herangereicht werden kann. Gleichwohl müssen wir trotz des Verhandlungsgeschicks unserer kompetenten indischen Mitarbeiter immer damit rechnen, dass Forderungen oder Auflagen erfüllt werden müssen, damit keine weiteren gravierenden, folgenschweren Maßnahmen seitens der zuständigen Committees in den Distrikten ergriffen werden. Es handelt sich bei den Forderungen zumeist um Baumaßnahmen, Installationen oder Anschaffungen, die uns finanziell teilweise erheblich belasten.

Während wir so um unser Mädchenheim 24 im Distrikt Coimbatore die vom Gesetz geforderte 7 foot (ca. 2,20 m) hohe Mauer bauen mussten, konnten wir im Distrikt Nagercoil das zuständige Committee davon überzeugen, dass für die zwischenzeitlich zusammengelegten Mädchenheime 27 und 32 in Mylaudy auf unserem mit der Orthopädieklinik gemeinsamen Gelände die Abgrenzung zur Sicherheit der Kinder durch einen Zaun sinnvoller ist. Das Gleiche konnten wir auch für das Kids Shelter im Distrikt Virudunagar erreichen. In den beiden Heimen 36 und 28 im Wayanad-Gebirge wurden wir vor die Alternative gestellt, die Heime zu erweitern oder die Kinderzahl zu reduzieren. Auf gar keinen Fall wollten wir dort weniger Kinder des Adivasistammes unterstützen und haben angebaut oder vorhandene Räume umgewidmet. Man genehmigte im Mädchenheim 28 erstaunlicherweise sogar, dass wir die neun dort zusätzlich aufgenommenen Waisenjungen weiter unterbringen dürfen, weil alle Kinder noch klein sind.

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4