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Bericht von der aktuellen Inspektionsreise in Indien

Kolenchery/Kerala/Südindien, im März 2018

Liebe Paten und Freunde,

auf diese erste Dienstreise für die Patengemeinschaft nach Indien habe ich mich sehr gefreut und mich über Wochen darauf vorbereitet. Ein detaillierter Reiseplan war mir vorab bereits geschickt worden. Ich hatte darum gebeten, ALLE Heime zu besuchen, damit ich mir einen guten Überblick verschaffen kann. Da ich vor zwei Jahren eine Woche Werner Büttner als Gast begleitet hatte, kannte ich bereits viele Heime und einige Mitarbeiter. So war die Wiedersehensfreude groß, als ich am Flugplatz von Baby Paul und Yacob mit Blumen empfangen wurde. Der Weg nach Kolenchery führt durch nicht enden wollende Wohngebiete. Und der Verkehr auf Indiens Straßen – ohne Worte!

Fortschritt!?

Die Dinge ändern sich! Indien ist kein klassisches Entwicklungsland mehr und möchte auf keinen Fall als solches nach außen erscheinen. Es gibt beachtliche, technische und infrastrukturelle Fortschritte, neue Straßen werden gebaut, oft mitten durch Wohngebiete oder aufgeständert darüber hinweg. Auf uns wirken diese Baumaßnahmen oft unkoordiniert und die Baustellen sehen eher chaotisch aus, das sind sie sicher auch, aber das Land benötigt dringend Straßen, um dem stetig wachsenden Verkehr Herr zu werden.

Ein ehrgeiziges Projekt der Regierung Keralas ist die Errichtung eines gigantischen Tiefseehafens: Vizhinjam International Seaport in der Nähe von Kovalam. Hier befindet sich ein Fischerdorf, wo mehrere, von uns unterstützte Familien leben. Der Hafen wird die Umwelt, für die es hier ohnehin nicht zum Besten steht, sehr stark belasten.

Unser erster Weg führt uns nach Mylaudy, wo wir Dr. Zippel und einige deutsche Gäste treffen. Wie in jedem Jahr kommen einige Ärzte und Physiotherapeuten unter der Leitung von Dr. Zippel nach Mylaudy, um hier Kinder mit angeborenen Fehlstellungen, Kinderlähmungsfolgen, Klumpfüßen, cerebralen Bewegungsstörungen, Fehlstellungen der Arme und Beine zu behandeln. Oft hilft eine Operation, um dem Patienten wenigstens den einigermaßen aufrechten Gang zu ermöglichen, aber immer öfter kommen Kinder, denen mit Hilfe von gezielter Physiotherapie wenigstens ein Minimum an eigenständiger Bewegung ermöglicht wird.

Medizinische Patenschaften

Die Eltern sind oft voll banger Hoffnung auf Heilung der Kinder. Aber meist haben sie kein Geld, um die teuren Behandlungen zu bezahlen. Für sie ist dieser Ort eine Oase. Hier haben alle Familien die schwere Bürde eines behinderten Kindes zu tragen und es tut allen sichtlich gut, sich austauschen zu können. In Indien ist ein behindertes Kind immer noch fast ein Stigma für jede Familie. Während meines Besuches wurde ein zwölfjähriger Junge vorgestellt, dessen Eltern auf den Teeplantagen im Norden arbeiten und bettelarm sind. Der Junge ist geistig behindert und hat ein freundliches, fröhliches Gesicht. Er kann sich nur seitlich auf den Knien fortbewegen. Nachdem Dr. Zippel und Haney, unser langjähriger Physiotherapeut, den Jungen untersucht haben, äußern sie die Hoffnung, dass er sich durch gezielte Physiotherapie und ev. eine kleine Operation wenigstens mit Hilfsmitteln aufrecht fortbewegen kann und damit einfache Hilfsarbeiten verrichten kann.

Für diesen Jungen und andere Patienten suchen wir Paten. Um hier direkt helfen zu können, möchten wir unser orthopädisches Zentrum auch in Zukunft für die Behandlung dieser Kinder nutzen und suchen ab sofort Paten, die die Behandlung dieser Kinder durch eine medizinische Patenschaft unterstützen. Umfangreiche Informationen hierzu erhalten Sie hier.

Dr. Nicola Ebert, Dr. Katja von dem Busche sowie die Physiotherapeutinnen Ragna Marks und Isabelle Durand haben in dankenswerter Weise zusammen mit Dr. Jürgen Zippel diese Ideen entwickelt. Wenn diese Ärzte und Physiotherapeuten nicht vor Ort sind, sorgen unsere erfahrenen, indischen Therapeuten für durchgängige Behandlungen. Seit zwei Jahren haben wir die Verwaltung an die indische NGO „ProVision“ übergeben. Diese Organisation ist ausschließlich in sozialen Bereichen tätig und regional gut vernetzt. Wir hoffen sehr, mit der Übernahme von Patenschaften für behinderte Kinder die erfolgreiche Zusammenarbeit mit ProVision fortsetzen zu können. Unsere eigenen drei Heime in Mylaudy: Kiwanis Boys Home, Ulrike Vogels Girls´ Home und Schwarzenbeker Girls Home sind gut in Schuss und die Kinder fröhlich. Während der kommenden großen Ferien ab Ende April müssen allerdings dringend umfassende Malerarbeiten und Reparaturen durchgeführt werden und der Moskitoschutz vor den Fenstern an vielen Stellen ersetzt werden. Auch eine entsprechende Bemerkung über Sauberkeit kann ich mir als Hausfrau nicht verkneifen. Auch das Frauenprojekt „ArcheNoa“ wird besucht und ich bewundere den großen Webstuhl, der von einer der Frauen flink betätigt wird und die Qualität der hier hergestellten Stoffe.

Während unseres Aufenthaltes kommt ein sehr netter junger Mann vorbei, der im Kiwanis Boys Home aufwuchs und eine Ausbildung zum Elektriker absolviert. Er bittet darum, ihn während der Ausbildung zu unterstützen. Seine Schwester ist auch in einem unserer Heime gewesen. Ihr Jurastudium wird von ihrem Paten weiterhin großzügig unterstützt.

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