Aktuelles > Bericht von der Inspektionsreise 2018 in Indien/ Teil 2

Bericht von der aktuellen Inspektionsreise in Indien

Ausbildungsunterstützung

Fast immer unterstützen unsere Paten die jungen Menschen auch nach ihrem Schulabschluss während der Berufsausbildung weiter. Dank ihrer kontinuierlichen und verlässlichen Hilfe können die jungen Menschen nach erfolgtem Studium oder Ausbildung in ein erfolgreiches Leben starten. Aber manchmal kommen Jugendliche, die von uns gehört haben, auf uns zu und bitten um Unterstützung. Für sie suchen wir auch immer Paten. Das nächste Ziel ist die Gegend um Trivandrum. Im „Jürgen Telkas Children Village“ muss während der Sommerferien renoviert werden und die alten Spielgeräte draußen müssen dringend ersetzt werden. Die 66 Mädchen werden von zwei Heimleiterinnen betreut. Es wird zunehmend schwieriger, geeignetes Personal für die Heime zu finden. Kaum jemand möchte im Heim leben und über Nacht dort bleiben, außerdem ist natürlich die Vergütung immer ein Thema! Einerseits möchten wir das Heimpersonal gern angemessen bezahlen, andererseits kommen wir aber oft an unsere finanziellen Grenzen. Es ist immer wieder eine Gratwanderung. Junge Frauen, die heiraten, verlassen das Heim nach der Eheschließung. Wir hoffen darauf, ältere, alleinstehende Frauen ohne familiäre Verpflichtungen zu finden. Zusätzlich gibt es immer größere Anforderungen seitens der indischen Behörden, die unsere indischen Mitarbeiter durch administrative Arbeiten belasten und auch nicht unerhebliche Kosten verursachen.

Schwierige Personalsuche

Zum Beispiel wird in Tamil Nadu der regelmäßige Besuch eines/r Psychologen/in gefordert. Das ist im Prinzip eine gute Maßnahme, treibt aber auch die Personalkosten erheblich in die Höhe. Ein Besuch der beiden Heime Christunilyam (Boys and Girls) ist sehr erfreulich. Das Wasserbecken wurde erweitert, sodass man nun genug Wasser hat, um auch einen großen Garten mit Obstbäumen, Gemüse und Zierpflanzen zu halten. Die Jungen haben ihre engen, dunklen Schlafräume durch den Bau eines großen Raumes unter dem von uns gespendeten Dach in einen großen, luftigen Raum verlegen können.

Einige Tage verbringen wir auch im Büro in Kolenchery und ich schaue mir die Bücher über die Ausgaben der Heime sowie die Bankkonten an. Es wird alles übersichtlich und lückenlos festgehalten und wieder einmal hilft mir meine vor Jahrzehnten absolvierte Banklehre beim Verständnis der eher konservativ durchgeführten Bankgeschäfte. Aber wie erwartet sind die Heime mit den Zuwendungen immer am Limit, die Lebensmittelpreise steigen ständig, die Gebäude müssen in instandgehalten werden und auch die Personalkosten fallen immer mehr ins Gewicht. Eine hohe Inflationsrate sowie der schwankende Wechselkurs beeinflussen die zur Verfügung stehenden Mittel ebenso.

Von Kolenchery aus fahren wir nach Cochin, um eins der von uns unterstützten YMCA Heime zu besuchen. Es erwarten uns der Bezirkssekretär und der Heimleiter. Es wohnen noch 16 Jungen in diesem Heim, das Ende März 2018 geschlossen wird. Es ist eine verständliche Reaktion auf die immer schärfer werdenden Auflagen zum Betrieb der Kinderheime, die sich unter dem JJA (Juvenile Justice Act) der Zentralregierung registrieren müssen - auch wenn diese in Kerala noch nicht implementiert sind, man rechnet hier damit. Wir bieten an, einige der Jungen entweder woanders unterzubringen oder direkt über unsere Familienhilfe zu unterstützen. YMCA ist sehr aktiv in Indien und wir unterstützen Kinder in mehreren Heimen.

Während wir sowohl unsere eigenen Heime als auch von uns unterstützte Heime anderer Träger besuchen, mache ich mir so meine Gedanken über die Anforderungen an die Heime. Unsere eigenen Heime haben alle einen deutlich besseren Standard, es kann nicht sachlich gerechtfertigt sein, von uns immer höhere Auflagen zu fordern und der Gedanke an teilweise Willkür sei erlaubt. Trotzdem arbeiten unsere indischen Freunde die endlosen Forderungslisten geduldig ab und wir versuchen, alles zu tun, damit die Heime weiter betrieben werden und die uns anvertrauten Kinder versorgt sind!

Auf dem Lande in Tamil Nadu, weit weg von größeren Städten, begegnet mir das ursprüngliche Indien: kleine Dörfer mit den üblichen kleinen Läden, die alle das Gleiche verkaufen, weite Steppen mit struppigen Dornenbüschen, Ziegen- und Kuhherden, die von kleinen, gebückten, meist älteren Menschen gehütet werden. Dass Wasser hier überall fehlt ist nicht zu übersehen.

Dieses Problem wird uns auf der ganzen Reise beschäftigen. Irgendwann erreichen wir die Heime 29 und 23, die von einem Orden der syrisch-orthodoxen Kirche betrieben werden. Das kleine Heim Bethel Sneha Bhavan mit nur sieben Mädchen wird von einer unglaublich herzlich lachenden Nonne betreut. Auch dieses Heim wird sich unter dem „Juvenile Justice Act“ registrieren lassen müssen und man wird sehen, ob es dann zu einer Verbesserung kommt. Im Moment wirkt dieses Heim wie das Zuhause einer Familie.

Danach fährt uns ein junger Mönch mit wehender weißer Kutte und Helm auf dem Motorrad voraus ins Elmenhorster Balagram, das von 4 Mönchen geführt wird. Hier hat man bereits die Registrierung unter JJAct erhalten. Die Anlage ist groß, es werden Kühe und Ziegen gehalten. Es gibt zwar viel Platz, aber nur wenige Räume sind wirklich „bewohnbar“, der Schlafraum der größeren Jungen ist in sehr schlechtem Zustand und wir mahnen dringend die Renovierung an, die geplant sein soll. Es wird weiter beobachtet. Fünf ältere Jungen lernen heute eifrig für die anstehenden Schulabschlussprüfungen, einer wird sogar später eine Prüfung für die Zulassung zum Medizinstudium versuchen. So schlummern hier auf dem Lande einige Talente, die nur eine Chance bekommen müssen!

Nachmittags reisen wir weiter nach Tuticorin, eine Hafenstadt mit großen Umweltproblemen, hier landet sehr viel Kohle an und das große Kohlekraftwerk steht im Dauerdunst. Wir besuchen das YMCA Heim und werden von einer ganzen Gruppe Funktionäre/Sekretäre sehr herzlich und mit allen Ehren empfangen. Dennoch mahnt Baby Paul, die immer noch fehlende Genehmigung zum Erhalt von ausländischen Geldern sehr deutlich an. Die hier betreuten 16 Jungen sind anfangs sehr schüchtern, aber als ich sie bitte, mir das Heim zu zeigen, tauen sie zunehmend auf und wir haben großen Spaß zusammen. Der Zustand des Heimes ist allerdings nicht zufriedenstellend, aber es sind umfangreiche Baumaßnahmen im Gange und so wird das Heim demnächst wieder besucht, um die Fortschritte zu kontrollieren.


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