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Indien > Land & Leute

Land und Leute

Klima

Indien besitzt subtropisches bis tropisches, vom Monsun (Regenzeit) geprägtes Klima. Vom tropischen immergrünen Regenwald an der Malabarküste und den Monsunregenwäldern des nordindischen Tieflands bis hin zu den Trockenwäldern und Savannen des Dekhan reichen die Vegetationsformen. Von Mitte April bis Mitte Juni ist die heißeste Zeit, zwischen Juni und September ist in den meisten Regionen Monsun. Auf diese Zeit folgt meist September/Oktober wieder eine kurze Hitzeperiode. Die erträglichste Reisezeit sind die Monate November bis März. Mitte Oktober bis Ende November ist im Südosten Regenzeit. Während der heißen Jahreszeit herrscht im Binnenland (z.B. Delhi, Agra, Hyderabad) eine trockene Hitze. Dagegen findet man an der Küste (z.B. Mumbai, Calcutta, Chennai) feuchtheißes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit.


Umwelt

Indien ist ein Land, das mit extremen klimatischen Gegebenheiten zurechtkommen muss. Der Monsun im Sommer bringt langanhaltende Regengüsse mit sich und schwemmt fruchtbaren Boden hinweg, Dürreperioden lassen landwirtschaftliche Nutzflächen austrocknen. Die steigende Bevölkerungszahl und -dichte lassen natürliche Lebensräume zunehmend schwinden. Massive Rodung - vor allem, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen - hat den indischen Waldbestand auf 23% (1997) schwinden lassen, aber insgesamt sind nur 11,7% (1997) mit so dichten Waldflächen bedeckt, dass sie eindeutig als Wald klassifiziert werden können.

Steigende Industriealisierung, nahezu ohne staatliche Auflagen den Umweltschutz betreffend, erhöht die Verschmutzung gerade von Luft und Wasser. Laut WHO nimmt Delhi auf der Rangliste der Großstädte mit der größten Luftverschmutzung den vierten Platz ein. Sanitäre Einrichtungen und ein funktionierendes Abwassersystem sind nur in wenigen Vierteln der Metropolen vorhanden. Die meisten Flüsse, allen voran der Ganges, sind nur noch stinkende Kloaken.

 

Wirtschaft

Obwohl Indien ein vorwiegend landwirtschaftlich geprägtes Land ist, ist es eines der weltweit führenden Industrieländer. Mit schwindender staatlicher Kontrolle im Idustriesektor ist seit 1991 die Zahl der ausländischen Investoren stark gestiegen.

Die indische Mittelschicht wird heute auf etwa 30 Millionen geschätzt. Demgegenüber steht die Mehrheit der indischen Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande: etwa 44,2% (laut Bericht der Weltbank) leben unterhalb der Armutsgrenze. Obwohl der Großteil der Bevölkerung (etwa 70%) auf dem Lande lebt, werden hier nur etwa 20% des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Die landwirtschaftliche Produktivität ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen - Gründe hierfür sind z. B. die fortschreitende Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sowie der Einsatz von Kunstdüngern -, heute ist das Land nicht mehr auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen (jedenfalls noch, das wird sich aufgrund des Bevölkerungswachstums jedoch ändern). Indien ist größter Exporteur von Software und Personal der IT-Branche. Seit 1990 wurde die Armut um etwa 10% reduziert.

Die wichtigsten Exportgüter sind Textilien, Edelsteine und Schmuck, Maschinenteile, Chemikalien und Lederwaren.


Bevölkerung

Indien ist ein häufig zitiertes Beispiel der Bevölkerungsexplosion. Bei einem Zuwachs von etwa 16 Millionen Menschen pro Jahr werden kaum zu bewältigende Entwicklungsprobleme für die Zukunft vorausgesagt. Dabei ist das Wachstum regional unterschiedlich: in Kerala und Tamil Nadu etwa, wo die Alphabetisierungsrate der Frauen vergleichsweise sehr hoch ist und auch ihr Alter bei der Hochzeit, lag das Wachstum schon 1991 bei nur 1,2%.

Mit etwa 70% lebt die Mehrzahl der Bevölkerung auf dem Land. Allerdings führt eine zunehmende Landflucht in die Millionen-Metropolen zur Verelendung immer größerer Massen in den Slumquartieren.

Familienplanungsprogramme rief die Regierung in den 1950er Jahren ins Leben. Weitreichende Erfolge gab es aber lange Zeit nicht zu verzeichnen. Gründe sind unter anderem die Ablehnung der Bevölkerung von Verhütungsmitteln und der Mangel staatlicher Strategien vor allem in ländlichen Gebieten. Ein wichtiger Faktor dabei ist, wie am oben genannten Beispiel von Kerala und Tamil Nadu deutlich wird, das Bildungsdefizit der Frauen. Obwohl die Zahl der verhütenden Paare steigt, trägt die Praxis der Bevorzugung von männlichen Nachkommen nachhaltig zum Bevölkerungswachstum bei: viele Paare willigen erst nach der Geburt von zwei Söhnen in eine Sterilisierung ein.


Gesundheitswesen

Die Lebenserwartung in Indien liegt im Mittel bei 62,9 Jahren. Die Säuglingssterblichkeit beträgt 60 von 1000 Lebendgeburten, 98 von 1000 Lebendgeburten sterben vor ihrem 5. Lebensjahr.

Unter- und Fehlernährung, unzureichende Trinkwasserversorgung, mangelhafte hygienische Verhältnisse, eine hohe Schadstoffbelastung der Luft und Lärm beeinträchtigen die Gesundheit, so dass Krankheiten (vor allem bei Kindern) häufig tödlich enden. Spezifische Krankheiten entstehen durch Vitamin- und Mineralmangel (Erblindung, Anämie). Neben den Mangelkrankheiten werden durch die schlechten hygienischen Bedingungen Parasitenbefall und Infektionen begünstigt. In der Folge von Überschwemmungen nach dem Monsun treten häufig Epidemien auf - nicht selten von Krankheiten, die als ausgerottet galten: 1994 gab es in Maharashtra nach dem Erdbeben Fälle von Beulenpest; in Surat (Gujarat) kam es zu tödlichen Fällen der Lungenpest, die eine Massenflucht von Hunderttausenden auslöste. Dass es zu keiner größeren Pestepidemie kam, könnte an dem massiven Einsatz von Antibiotika liegen; es scheint aber noch nicht geklärt zu sein, ob es sich nicht um einen anderen Erreger mit einem ählichen Krankheitsverlauf handelte. Es gibt 3 Mio. Leprakranke, davon sind 15 bis 20% ansteckend. 12 Mio. Menschen sind blind. Kala-Azar ist in Westbengalen und Bihar endemisch; verschiedentlich tritt die Japanische Enzephalitis - mit einer Mortalitätsrate von 30% bis 45% - auf. Die indische Regierung hat 1986 ein Programm zur Eindämmung der Immunschwächekrankheit AIDS begonnen. 1979 wurden wieder Pockenerkrankungen registriert; die Malaria ist auf dem Vormarsch, weil die Stechmücken gegen die Insektizide resistent geworden sind und natürliche Feinde wie z. B. Frösche in großer Zahl dem Export zum Opfer gefallen sind; 1991 gab es 1,8 Mio. Erkrankungen. Häufige Todesursachen sind Durchfallkrankheiten, Krebs, Erkrankungen der Atemwege und Herzkrankheiten, vor allem bei der städtischen Bevölkerung.

Indische Ärzte zählen z. T. zur Weltspitze, allerdings ist die Spitzenmedizin nur für Wenige erschwinglich. Normale ärztliche Versorgung beschränkt sich auf einige Viertel der großen Städte. Auf dem Lande ist die medizinische Versorgung äußerst unzureichend. Es mangelt an ausgebildetem Personal, nach dem Medizin-Studium wandern viele ins Ausland ab.


Bildungswesen

Indien hat eine große Anzahl gut ausgebildeter Experten, besonders in der Software-Industrie. Die gut verdienende Mittelschicht ist generell gut gebildet. Grundschulunterricht ist an allen öffentlichen Schulen kostenlos und - zumindest theoretisch - Pflicht bis zum Alter von 14 Jahren. Es gibt 204 Universitäten und 8613 Hochschulen mit 6,1 Millionen Studenten. Das Bildungswesen hält allerdings mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt und verfestigt bestehende soziale und regionale Unterschiede. Die indische Verfassung enthält die Zielvorgabe der „Erziehung für alle”, dennoch ist anzunehmen, dass etwa 40% der indischen Bevölkerung Analphabeten sind. Ca. 70% der Männer können lesen und schreiben, bei den Frauen sind es nur rund 48% (Bevölkerung über 15 Jahre). Die Qualität der Bildung - von Grundschulen bis Universitäten - hat eine dramatische Bandbreite. Ein erheblicher Anteil an hervorragenden Hochschulabsolventen wandert nach dem Studium in das englischsprachige Ausland ab.


Religionen

Indien kann auf eine unermessliche kulturelle und religiöse Vielfalt verweisen, wobei die hinduistische Gebräuche und Sitten in hohem Maße das öffentliche und private Leben bestimmen. Rund 80% der Inder sind Hindus, etwa 11% Muslime, 2,4% Christen und 2,1% Sikhs; ferner Buddhisten, Jains und Parsen. Es ist der Anspruch orthodoxer Hindus, dass das moderne Indien Erbe einer einheitlichen hinduistischen Tradition ist und eben nicht aus einer kulturellen und religiösen Vielfalt entstanden ist. Parallel dazu besteht ein weitverbreitetes Selbstverständnis von Indien als gelungenem politischen Entwurf eines säkularen, toleranten Vielvölkerstaates.

 

Quellen/Links:

Auswärtiges Amt

CIA: The World Factbook 2008, India

United Nations Development Program: Human Development Index

United Nations Statistics Division: Millenium Indicators

World Health Organisation: The World Health Report, Basic indicators for all Member States

World Bank: India at a glance (PDF-Datei)

World Bank: ICT at a glance, India (PDF-Datei)

Südindien-Institut der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg