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Bericht über die Kinder-Orthopädie Mylaudy 2011/2012

Team der Klinik und PhysiotherapieUnd wieder ist die Hilfe unentgeltlich mitarbeitender Kolleginnen und Kollegen, Physiotherapeuten und Arzthelferinnen aus Deutschland und der Schweiz, die diese Arbeit überhaupt erst möglich machen, unersetzlich. Und wie immer arbeitet jeder unentgeltlich, opfert seine Ferien und bezahlt seine Flüge selbst. Diese Truppe, oft schon mehrfach in Mylaudy gewesen, wächst langsam wie eine Familie zusammen, wobei wir alle von dem mitgebrachten Spezialwissen profitieren, zusammen lernen und diskutieren können, wie sonst kaum in einer Klinik im hektischen Routinebetrieb.
 
Auch die neuen Patienten kommen weiterhin und zunehmend von weit her. Das liegt wohl auch an der Mundpropaganda. Die Zahl der Kinder mit zerebralen Bewegungsstörungen ist kaum noch zu bewältigen. Deswegen haben wir eine Initiative gestartet, um die Regierung zu bewegen, Ausbildungsstätten für neuphysiologischen Krankengymnastik einzurichten. Die Therapie müsste dringend weiter im Land verbreitet werden. Stark zugenommen hat auch die konservative Therapie der relativ frischen Klumpfüße nach Ponseti, die wir nun seit Jahren in der Region propagieren und mit Fortbildungsangeboten unterstützen. Sicher haben wir in dieser „Saison“ wieder über 70 Ponseti-Gipse angelegt und mussten so auch deutlich weniger Klumpfüße operieren.
 
Es wurden wieder 45 Kinder operiert mit insgesamt 76 OPs. 302 Patienten wurden in der orthopädischen Werkstatt versorgt, 88 Patienten in unserer Physiotherapie und in unserer Klinik 1280 Bettentage gezählt. In unserer Ambulanz behandelten wir 485 Patienten. 
 
Durch unseren Container aus Hamburg, der endlich im Februar eintraf (Abreise Nov. 2011) waren wir wieder gut mit neuem Verbandsmaterial, Kunststoffgipsen, Rollstühlen und medizinischen Instrumenten, Kinderspielzeug und Spielgeräten versorgt. Insbesondere ein großes gebrauchtes Trampolin traf zur Freude der Heimkinder und Patienten ein.
 
Über Weihnachten besuchte uns der Hamburger Journalist Jochen Voigt. Er dokumentierte für den Norddeutschen Rundfunk, in der Sendereihe "Von Hamburg nach Haiti", ausgestrahlt am 19.02.2012, eine schöne Sendung über unsere Arbeit in der Kinderorthopädie. Er zeigt dies am Beispiel eines kleinen Mädchens, das von Geburt an wegen einer Wirbelsäulenfehlbildung an beiden Beinen gelähmt ist. Nach OP und Schienenversorgung kann die kleine Mariya zum ersten Mal in ihrem Leben ohne fremde Hilfe laufen. Aus seinem umfangreichen Filmmaterial wird evtl. ein Fernsehfilm entstehen.

Fortbildungsseminare für die lokale Bevölkerung
 
Es wurden wieder Fortbildungsseminare bei uns und in der benachbarten Stadt Nagercoil für Ärzte und Physiotherapeuten organisiert. In "Camps" in der weiteren Umgebung, in denen die arme ländliche Bevölkerung mit ihren orthopädisch behinderten Kindern zusammen kommt, beraten wir und suchen die Möglichkeiten für stationäre OPs oder Therapien aus. Da unsere Behandlungen alle kostenlos sind, findet dies naturgemäß größten Anklang.
 
So möchten die örtlichen Behörden unsere Arbeit nicht mehr missen. Finanzielle Zuschüsse erhalten wir trotzdem vom indischen Staat nicht. Sicher wird die medizinische und soziale Absicherung der Bevölkerung langsam besser, ausreichend ist sie nicht.
 
Sorgen machen uns die rapide steigenden Kosten. Ein Glück ist die Hilfe durch die medizinischen Helfer aus Europa, die jedes Jahr wieder anreisen. Auch unseren Spendern gebührt unser großer Dank. so wie auch der Patengemeinschaft für Hungernde Kinder, die uns so hilfreich in den Verwaltungsproblemen unterstützt.
 
So haben meine Frau und ich mit einem guten Gefühl am 22.3.2012 Mylaudy wieder verlassen, bis Mitte November wieder die neue "Saison" beginnt.

Herzlichst, Ihr
Dr. Jürgen Zippel

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