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Projekte > Children‘s Orthopedic Centre > Bericht von Dr. Jürgen Zippel

Bericht über die Kinder-Orthopädie Mylaudy 2012/2013

Es ist jedem verständlich, dass wir mit unserer kleinen Kinderorthopädie in Mylaudy in Südindien, im Lande Tamil Nadu, nicht in einem luftleeren Raum agieren. Wir müssen mit den politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Gegebenheiten leben. Diese sind naturgemäß erheblich anders als in Deutschland. Zehn Jahre arbeitet nun unsere Kinderorthopädie in Mylaudy und so hat sich auch manches verändert.

Unsere Kinderothopädie ist in dieser Zeit in der Ausrüstung, Akzeptanz in der Bevölkerung, in der qualitativen und quantitaven Arbeit sichtlich gewachsen. Aber auch die medizinische Versorgung der armen Bevölkerung hat sich im Lande verbessert, ist aber weiterhin völlig unzureichend. Die Ober- und Mittelschichten der Bevölkerung verbreitern sich, aber die große Mehrheit der unteren Schichten lebt weiterhin in großer Armut und sozialer Unsicherheit.

Die politischen und insbesondere die sozialen Entscheidungen sind nicht nur für uns dort undurchschaubar. Das hat auch für unsere Arbeit dort gravierende Folgen. Zum Beispiel musste ich bis vier Wochen vor meiner Abreise auf meine Arbeitserlaubnis aus Delhi warten. Es ist auch keine Erklärung dazu von offiziellen Stellen zu bekommen. Es mag Schlamperei sein, aber evtl. auch ein Zeichen, dass unsere Arbeit aus nationaler Sicht nicht so erwünscht ist. Die indische Regierung agiert sehr stolz und selbstbewusst, aber wenig rücksichtsvoll auf ihre ärmste Bevölkerung.

So mussten wir alle unsere Operationen allein in einem vergleichsweise guten, aber auch teuren Krankenhaus durchführen, um einigermaßen gesichert zu sein. Das hatte zur Folge, dass wir sehr viel mehr für unsere Operationen ausgeben mussten als im vorigen Jahr. Trotzdem haben wir in dieser Saison 115 OPS an 62 Kindern durchgeführt. In der vorigen Saison waren es 76 OPS an 45 Kindern.

Im Übrigen ist die Teuerung in den letzten fünf Jahren in Indien um 64% gestiegen.

Zu den positiven Aspekten: Unser Gelände ist so schön wie nie zuvor. Unser Personal ist bestens eingearbeitet. Ein neuer Generator mit weniger Dieselverbrauch – auch eine glückliche Stiftung – rettete uns über die ständigen Stromabschaltungen (oft nur noch 10 Std. Strom aus dem öffentlichen Netz pro Tag). Die Wasserversorgung durch unseren kleinen Teich ist gesichert. Das Röntgengerät funktioniert. Unsere orthopädische Abteilung unter Mr. Selvam macht eine Pionierarbeit für die gesamte Gegend und arbeitet das Jahr durch. Es wurden für unsere Klinik 140 Kinder mit Hilfsmitteln wie Prothesen, Gehapparate, Schienen und Rollstühle versorgt. Dies leisteten wir wie auch alle anderen Therapien unentgeltlich. In unserer Krankengymnastik wurden 89 Kinder behandelt. In unserer Klinik versorgten wir unsere Patienten mit 1420 Bettentagen. In unserer ambulanten Praxis sahen wir ca. 400 Patienten.

Behandlung des Mädchens Niveta

Niveta (7) mit versteiften Kniegelenken, nach der OP bei der Krankengymnastik, Niveta läuft aufrecht!!

Wie jedes Jahr behandelten wir vorwiegend Kinder mit zerebralen Bewegungsstörungen, Klumpfüßen, Beinachsenfehlstellungen, komplexen Fehlbildungen an Beinen und Armen, Kinderlähmungsfolgen, neurologischen Erkrankungen und Unfallfolgen.

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