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Projekte > Children‘s Orthopedic Centre > Bericht von Dr. Jürgen Zippel

Der jährliche Bericht über die Kinder-Orthopädie Mylaudy 2015/2016

13.04.2016
Wie schon lange geplant, wurde dieses Jahr die Arbeit in Mylaudy in zwei Abschnitte aufgeteilt. Von Anfang November 2015 bis Anfang 2016 war mein Teil. Anfang Januar 2016 übernahm die Kinderorthopädin Katja von dem Busche, noch überlappend mit mir, die Verantwortung. Dies hat sich als eine sehr erfolgreiche Lösung erwiesen.

So konnten wir unsere Operationszahl noch einmal auf 124 Operationen erhöhen und die sehr gute Zusammenarbeit war für unsere Patienten und das Personal sicher erneut ein großer Ansporn. Wir konnten weiter auf die großzügigen Sachspenden aus dem Container des vorigen Jahres zurückgreifen und so, zusammen mit unserer erstklassigen orthopädischen Werkstatt und unserer eingespielten Krankengymnastik, für die behinderten Kinder viel Gutes tun.

Wieder kamen uns die Gäste aus Deutschland und der Schweiz zu Hilfe, sei es als Operateure, Physiotherapeuten, aber auch als Medizinstudenten und Maltherapeuten.

Schon in meinem vorigen Jahresbericht hatte ich geschrieben, es sei die beste „Saison“ gewesen. Jetzt muss ich ergänzen: diese „Saison“ war noch besser.

Fast 400 behinderte Kinder in der Sprechstunde

Es wurden 69 Kinder operiert. In unserer Sprechstunde waren 384 behinderte Kinder. Über 170 Gipse wurden angelegt und 110 Kinder geröntgt. Auch unsere Bettenstation war mit 1348 Bettentagen voll ausgelastet. Wir behandeln ja nicht nur operativ, sondern viele zerebral geschädigte Kinder erhalten neben einer speziellen Krankengymnastik auch eine Gips- und Injektionsbehandlung. Die vielen Kinder mit Klumpfüßen werden, wenn wir sie nur jung genug bekommen, ebenfalls mit einer Serie von Oberschenkelgipsen nach Ponsetti sehr erfolgreich behandelt. Dies ist eine moderne, in Europa fest eingeführte Methode, die sich leider in Indien noch immer nicht durchgesetzt hat.

So wurden von uns auch wieder mehrere Fortbildungen für Ärzte und Physiotherapeuten aus der Region durchgeführt.

Überhaupt erweitert sich unser Einzugsgebiet jährlich. Nur wird die Unterstützung durch die indischen Behörden immer schwieriger, nach deren Motto „das können wir alles selber“. Was eher ein Wunschtraum ist, der nicht der Realität entspricht.

Die Zukunft der Kinderorthopädiestation

Eigentlich ist es ein Jammer, dass wir unsere Arbeit in Mylaudy in der alten und bewährten Form nicht fortsetzen können. Der Hauptgrund ist, wie schon im vorigen Jahresbericht beschrieben, dass ich aus Alters- und Gesundheitsgründen meine Arbeit einschränken muss und keinen operativ tätigen Nachfolger oder Nachfolgerin gefunden habe, die bereit wären, für mehrere Monate in Mylaudy zu leben. Auch kein indischer Kinderorthopäde, und davon gibt es sowieso viel zu wenige, war bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

Wir haben jetzt aber eine Lösung gefunden, wie wir unsere Klinik erhalten können und gleichzeitig unseren behinderten Kindern in Mylaudy und Umgebung unsere Hilfe nicht entziehen müssen.

Eine lokale, gemeinnützige indische Non Government Organization (NGO) mit Namen „Pro Vision“ übernimmt ab dem 1.4.2016 unser Klinikgelände probeweise für zwei Jahre mit der gesamten Einrichtung. Pro Vision wird dort ein Zentrum für konservative Therapie behinderter Kinder aufbauen und auch unser bewährtes Personal übernehmen.

So ist auch gesichert, dass unsere Patienten dort eine verlässliche Nachbehandlung erhalten. Es ist abgesprochen, dass ein Drittel der Patienten dort unentgeltlich behandelt werden. So können wir auch unsere gute orthopädietechnische Abteilung und Physiotherapie für unsere Patienten erhalten.

Es stehen uns weiterhin in Mylaudy vier Gästezimmer zur Verfügung, so dass Ärzte und Physiotherapeuten aus Europa wie bisher dort in ihren Ferien arbeiten und wohnen können.

Ich selbst habe zugesagt, jedes Jahr 3-4 Wochen in Mylaudy zu verbringen, um Pro Vision dort in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu kontrollieren. So werde ich wohl im Januar 2017 wieder in Mylaudy sein.

Inzwischen hat Pro Vision die ersten Patienten aufgenommen.

Auch unsere indische Verwaltung der Patengemeinschaft wird die Arbeit dort regelmäßig kontrollieren, denn die Arbeit in unseren drei Kinderheimen auf dem Mylaudygrundstück geht natürlich völlig unabhängig von der klinischen Tätigkeit wie gewohnt und unverändert weiter.

Da Pro Vision ihre gemeinnützige Arbeit auch finanzieren muss, was in Indien mit den vielen armen Familien schwierig ist, möchte ich Sie bitten, die Kinderorthopädie in Mylaudy weiterhin durch Spenden finanziell zu unterstützen. Diese Spenden werden wie bisher bei der Patengemeinschaft hier in Hamburg gesammelt und die Ausgaben auch durch mich streng kontrolliert. So hätten wir die Möglichkeit, auch Operationen durch unsere Gäste aus Deutschland dort zu finanzieren.

Nun danke ich hiermit allen unseren indischen und unseren mitarbeitenden Gästen für die über 12 Jahre währende tolle Hilfe für unser kinderorthopädisches Mylaudy Projekt.

Wie immer gilt unser besonderer Dank der Mithilfe durch die Patengemeinschaft für Hungernde Kinder e.V. und allen kleinen und großen Spendern. Dazu gehören die Jan Groenewold Stiftung, die Nordheim Stiftung sowie die J2xU-Stiftung.

Dr. Jürgen ZippelIhr
Jürgen Zippel

 

Spendenkonten:
Bitte geben Sie das Stichwort "Kinderorthopädie Mylaudy" an.
Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.
IBAN: DE66 1203 0000 1001 1888 10; BIC: BYLADEM1001
oder:
IBAN: DE66 2305 2750 0000 0502 29; BIC: NOLADE21RZB