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Projekte > Children‘s Orthopedic Centre > Bericht von Dr. Jürgen Zippel

Bericht über die Kinder-Orthopädie Mylaudy 2008/2009

Hauptgebäude des Children's Orthopedic CentreEine weitere „Saison“ wurde mit der Abreise von Dr. Ropohl und seiner Frau sowie Johannes Köhler Ende Mai erfolgreich beendet.

Ich selbst war vom 12. November '08 bis 16. März '09 in Mylaudy und erfuhr tatkräftige Unterstützung durch Dr. Weiland und seine Frau, durch Dr. Hannig, Prof. Meiss und seine Frau, Dr. Holzrichter, Dr. Ropohl und Frau, und unsere bewährten Krankengymnastinnen Ragna Marks und Anna Maria Kleinhuis.

Wie jedes Jahr bedarf das Children’s Orthopaedic Centre immer wieder einer gewissen Renovierung, da die Monsunzeit doch sehr an den Gebäuden nagt. Die drei Kinderheime sind in einem guten Zustand und der Pflanzenwuchs drum herum ist inzwischen richtig prächtig, sodass wir mit Bananen, Papayas und Kokosnüssen fast Selbstversorger geworden sind.

VisiteViele bedürftige Kinder hatten sich bereits auf der Warteliste angesammelt seit der Sommerzeit, so dass wir auch in dieser "Saison" unentgeltlich an über 30 Kindern 72 Operationen durchführten (viele Kinder mit mehrfachen Problemen). Wieder waren es viele Kinder mit Kinderlähmungsfolgen, Klumpfüßen, angeborenen Fehlbildungen und Unfallfolgen. Besonders zugenommen hat der Andrang von Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen. Hier zeigt sich, dass wir mit unserer neurophysiologischen Krankengymnastik in Südindien etwas anbieten können, was für die armen Eltern sonst nicht erreichbar ist. Gerade bei diesen Kindern ist die Zusammenarbeit von Operateur, Krankengymnastik und orthopädietechnischer Versorgung in einem gemeinsamen Team, und an einem Ort, besonders wirksam.

Mutter mit ihrem Kind zur Behandlung im COCDie Kinder, die inzwischen auch aus weiterer Entfernung kommen, werden mit ihren Eltern eine Woche stationär aufgenommen und krankengymnastisch therapiert, auch wenn sie keiner OP bedürfen. Wichtig ist, dass die Eltern nach der Entlassung, so gut sie können, die Therapie fortsetzen. Diese stationäre Behandlung erfolgt auch in der Sommerzeit, in der keine deutschen Ärzte in Mylaudy sind, durch unseren inzwischen sehr versierten Krankengymnasten Mr. Haney. Durch ein besonderes Seminar über neurophysiologische krankengymnastische Techniken wurden, mit Hilfe von Herrn Bergehoff aus Hamburg, einheimische Krankengymnastinnen und –gymnasten aus der Region geschult.

Insgesamt wurden so 68 Kinder rein konservativ auf unserer Krankenstation und in der Physiotherapie behandelt.

In unserer Sprechstunde sahen wir 275 Kinder, davon 133 als neue Patienten. Erwachsene (335) wurden nur in der Ambulanz behandelt und können von uns, aus Kostengründen, nicht operiert werden.

Orthopädische WerkstattUnentbehrlich ist bei all diesen orthopädischen Behandlungen unsere gute orthopädische mechanische Werkstatt, die uns vor drei Jahren durch die Johanniter-Unfallhilfe aufgebaut wurde, und deren Finanzierung nun leider ausläuft. Wir hoffen sehr, hier einen neuen Sponsor zu finden. Es wurden wieder zahllose Prothesen und Schienen-Schellen-Geräte angefertigt.

Leider hauchte das "neue" (gebraucht geschenkte) Röntgengerät aus Deutschland Anfang dieses Jahres sein Leben aus. Ersatzteile waren nicht mehr zu beschaffen, so dass wir ein kleineres, aber neues indisches Gerät kaufen mussten.

Durch eine großzügige Spende konnten wir endlich ein neues, sehr viel stabileres Auto kaufen, das auch den Transport mehrerer liegender Patienten erlaubt.

Ankunft der Ziegen vor dem Zonta Women's Empowerment CentreSehr dankbar sind wir über die Aktivitäten von ZONTA Aachen, die ihre Station auf unserem Gelände weiter ausbauten und ein Segen für die Mädchen in unseren drei Waisenheimen und die Frauen aus dem benachbarten Dorf sind. Es finden regelmäßig Näh-, Web- und Computerkurse statt, und die Landfrauen lernen etwas über Ernährung und über die Düngung ihrer Nutzgärten. Auch wurden von ZONTA Aachen 33 Ziegen gestiftet, die den Dorfbewohnern regelmäßig etwas Milch liefern.

So hat sich das Miteinander mit der benachbarten Dorfbevölkerung weiter verbessert, was uns allen in den Kinderheimen und der Klinik sehr entgegen kommt.

Im Sommer wird wieder der indische Arzt Dr. Riaz die Station betreuen. Von unserem indischen langjährigen Manager Mr. David mussten wir uns dagegen trennen, weil ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Sein Nachfolger ist Mr. Samuel (vorm. YMCA).

Die finanzielle Situation zwingt uns alle zu größter Kostendisziplin, um mit unserem jährlichen Etat von 47.000 Euro über die Runden zu kommen. Circa 1/3 sind reine medizinische und OP-Kosten, der große Rest Personalkosten, Strom und Wasser und die immer wieder notwendigen Reparaturen.

2 kleine PatientinnenWir sind also weiterhin auf Spenden angewiesen, damit das Projekt, das so erfolgreich für diese arme Bevölkerung ist, überhaupt überleben kann. Von dem viel zitierten indischen "Aufschwung" ist in diesem Teil Süd Indiens nichts zu spüren.

Wie bisher zahlen wir Ärzte und Krankengymnasten unsere Reisekosten selbst und erhalten selbstverständlich keine Vergütung.

Wir danken der "Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V" für ihre großzügige administrative Hilfe, und auch unserem indischen Personal und den Gästen aus Deutschland für ihre liebevolle und tatkräftige Mitarbeit, und planen jetzt schon für den kommenden Herbst. Wie das so ist, werden die Aufgaben und wird die medizinische Nachfrage dort in Mylaudy jedes Jahr eher größer als kleiner.

Unser herzlicher Dank geht an unsere regelmäßigen und zeitweiligen Sponsoren, die unsere Arbeit in Mylaudy erst möglich machen und auf die wir in dieser finanziell schwierigen Zeit besonders angewiesen sind:

• Alexandra und André Melnischenko Stiftung
• Gisela Groenewold Stiftung
• Nordheim Stiftung
• Ein Herz für Kinder, BILD hilft e.V.
• Dieter Schönfeld
• Irmgard Scherbaum

und viele Einzelspender.

Im November 2009 werden wir wieder in Mylaudy sein und ich freue mich schon auf das Wiedersehen mit meinen kleinen Patienten.

Ihr
Jürgen Zippel