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Reisebericht Indien 2009 - Teil 2

Besuch der Einrichtungen

Das Büro in Kolenchery

Die indischen Mitarbeiter der Patengemeinschaft     Wir besuchen das Büro der Patengemeinschaft in Kolenchery. Dort arbeiten die indischen Mitarbeiter, wenn sie nicht gerade in den Einrichtungen nach dem Rechten schauen oder andere der vielfältigen Aufgaben vor Ort erledigen.

Hier werden die Sparbücher der Familienhilfe verwaltet und die bedürftigen Familien holen sich ihre finanzielle Unterstützung ab. Wir sind beeindruckt, wie gut das alles organisiert ist, erleben wie die armen Frauen Geld für ihre Familie abholen und wie dankbar sie sind. Zusammen mit dem wenigen Geld, das sie durch ihre Gelegenheitsarbeiten verdienen, reicht es einigermaßen zum Unterhalt der Familie. In der Regel sind die Männer verstorben oder durch einen Unfall arbeitsunfähig.
In Indien gibt es keinerlei Sozialsystem: wer alt oder krank ist und/oder keine Arbeit hat, bekommt kein Geld und verhungert, wenn nicht Familienangehörige einspringen können.

Die Mitarbeiter überweisen die Spenden der Paten an die Heime, verwalten die Sparbücher der Kinder und erledigen viele organisatorische Angelegenheiten der Patengemeinschaft. Sie haben uns alles erklärt und wir sind beeindruckt, mit wie viel Engagement und Herzblut sie ihre Aufgaben erledigen. Schon jetzt sind wir davon überzeugt, dass hier wirklich jeder gespendete Cent ankommt!

Die Heime

Die bewegendsten Erlebnisse stehen uns noch bevor: der Besuch der Heime. Es ist einfach überwältigend, wie glücklich, begeisterungsfähig, zufrieden und dankbar die Kinder sind!

Alles, was die Kinder besitzen, hat in einer kleinen Tasche Platz. Sie haben weder Spielsachen noch Hightech-Kram, aber sie können sich trotzdem beschäftigen, spielen, haben Spaß, lachen und tanzen - und sie sind zufrieden! Sie freuen sich riesig über die Bonbons, die wir ihnen mitbringen, da es Süßigkeiten sonst nur zu besonderen Anlässen gibt.

Am meisten aber freuen sie sich darüber, dass wir einfach nur da sind. Alle wollen ein Stück von uns haben, uns anfassen, uns etwas zeigen oder mit gebrochenem Englisch etwas fragen. Natürlich möchte auch jedes Kind zigmal fotografiert werden und sich anschließend das Foto auf dem Display der Kamera anschauen. Es scheint kaum etwas Spannenderes zu geben.

Die Mädchen führen mit Begeisterung Tänze für uns auf. Natürlich müssen wir auch mit ihnen gemeinsam tanzen und verschiedene Varianten von Nachlaufen und Händeklatschen spielen – das macht uns allen riesigen Spaß.

Die Begeisterungsfähigkeit der Kinder ist einfach wunderschön. Oft denke ich daran, wie unzufrieden dagegen in Deutschland viele Kinder wirken, obwohl sie häufig mit teurem Spielzeug überhäuft werden.

Wir haben den Kindern Buntstifte und Wasserfarben mitgebracht. Viele kannten keine Buntstifte – kaum vorstellbar. Norbert malt mit Bleistift Motive vor und die Kinder malen sie mit Begeisterung mit Wasserfarben aus. Lina (eine Patin, die 8 Wochen in Indien verbringt) bastelt mit den Mädchen aus Perlen Armbänder und Ketten. Alle sind mit großem Eifer bei der Sache. Es ist kaum zu beschreiben, wie bewegend diese Erlebnisse sind.

Lernen für die SchuleDie Heimmütter betreuen die Kinder sehr liebevoll und kümmern sich um die Organisation des Alltags.

Wir sind davon überzeugt, dass es den Kindern in den Heimen gut geht und sie sich dort – vor allen Dingen in der Gesellschaft der anderen Kinder – sehr wohl fühlen. Sie haben vor allen Dingen ein festes Dach über dem Kopf, medizinische Betreuung, besuchen die Schule und bekommen regelmäßige Mahlzeiten. Was das bedeutet wird uns auf krasse Weise deutlich, als wir Kinder auf einer wilden Müllkippe nach Essbarem suchen sehen.

Das Orthopädiezentrum in Mylaudy

Da wir 4 Nächte in Mylaudy verbringen, haben wir die Gelegenheit, einen Eindruck von der Arbeit von Dr. Zippel, seinem Co-Assistenten Dr. Ropohl und den Physiotherapeuten zu gewinnen. Es ist unglaublich, mit welchem Engagement und mit welcher Hingabe sie sich jedes Jahr monatelang Tag für Tag um die Patienten kümmern. Wir dürfen an der Visite teilnehmen und lernen einige der Patienten kennen: kleine Kinder mit verkrüppelten Beine, die teilweise mehrfach operiert werden müssen, um erstmals in ihrem Leben stehen zu können, und ein unheilbar krankes 16-jähriges Mädchen, für das mit einfachen Mitteln aus einem ausrangierten Rollstuhl aus Deutschland in der orthopädischen Werkstatt eine Art Sitzschale gefertigt wird.

Wir haben großen Respekt vor Dr. Zippel und seinem Team und sind wieder überwältigt von der Dankbarkeit der Patienten und ihrer Angehörigen. Jedes Jahr machen es einige ehemalige Patienten irgendwie möglich, Dr. Zippel am Flughafen in Trivandrum zu empfangen, um ihm ihre Dankbarkeit zu zeigen.

Eine Operation ist mit einer Spende von 150 Euro zu finanzieren.

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