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Reisebericht Indien 2009 – Teil 3

Wir treffen unser Patenkind

Wir haben uns sehr darauf gefreut, unser Patenkind kennen zu lernen und sind natürlich sehr gespannt. Als wir in Mylaudy ankommen, erwartet Kalai Selvi uns schon an der Einfahrt. Sie hängt uns zur Begrüßung eine Blumengirlande um!

Nachdem wir anfänglich mit der Situation alle etwas überfordert sind, legt sich die Aufregung rasch. In den nächsten Tagen entwickelt sich eine sehr schöne Beziehung, die noch enger und emotionaler ist als ich es mir vorgestellt habe. Kalai Selvi wirkt unglaublich stolz, dass wir sie besuchen und die anderen Kinder freuen sich neidlos mit ihr.
Wir nehmen sie mit zu einem Ausflug und gehen mit ihr einkaufen. Sie wünscht sich eine Schultasche. Wir kaufen noch Kleidung und ein Paar Schuhe. Sie freut sich riesig und ist völlig überfordert damit, sich etwas auszusuchen. Wie gerne würde ich ihr noch viel mehr von dieser schönen und bunten Kleidung kaufen, die hier für uns vergleichsweise sehr preiswert ist, aber das geht leider nicht, da die anderen Kinder im Heim natürlich auch nicht so viel haben.

Kalai Selvi wünscht sich, dass wir ihre Familie kennen lernen! Mit Paulose besuchen wir ihre Familie in einem Hüttendorf in der Nähe des Heimes. Wir lernen ihre Mutter und ihre Geschwister kennen, die (noch) nicht im Heim sind.

Die Familie lebt in sehr armen Verhältnissen: in einer Hütte aus Palmenblättern mit Lehmboden, die beim monatelangen Monsunregen natürlich aufweicht, ohne Wasser, ohne Strom, ohne jegliche Einrichtungsgegenstände. In der Hütte gibt es außer einer offenen Feuerstelle nichts.

Hütte der FamilieDas Baby ist bei Nachbarn untergebracht. Der Vater ist Alkoholiker und bringt nur einen Teil seines wenigen mit Gelegenheitsarbeit verdienten Geldes nach Hause. Für uns sind zwei Plastikstühle organisiert und die Mutter bietet uns Kekse und Saft an. Die Nachbarn kommen ebenfalls zu Besuch. Auch hier beeindruckt uns die Freundlichkeit der Menschen.

Von einem Teil einer Sonderzuwendung unsererseits wurden ein Türrahmen und eine Tür für die Hütte gekauft. Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, dass wirklich jeder Cent sinnvoll investiert wird und es möglich ist, zielgerichtet und zweckgebunden zu spenden. Wir beschließen, der Patengemeinschaft Geld für ein (Stahl-)Bett und einen (Stahl-)Schrank für die Familie zu überweisen und entscheiden uns, auch noch die Patenschaft für den Bruder von Kalai Selvi zu übernehmen und haben mittlerweile im Freundeskreis auch Paten für die Schwester gefunden. Wir hoffen, dass die beiden schon zum nächsten Schuljahr im Heim einziehen können.

Als wir sehen, unter welchen Bedingungen unser Patenkind vorher gelebt hat, sind wir froh und zufrieden, dass es nun eine glückliche und würdevolle Kindheit im Schwarzenbeker Girls Home genießen kann. Auch wenn die Heime für unsere Vorstellungen spärlich ausgestattet sind und die Kinder kaum etwas besitzen, so sind es die anderen Dinge, die für uns selbstverständlich sind, aber für Kinder in Entwicklungsländern vergleichbar Luxus bedeuten: ein festes Dach über dem Kopf, ein Bett, regelmäßige Mahlzeiten, medizinische Versorgung und regelmäßiger Besuch der Schule.

Wir sind froh, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können.

Kuhhandel

Die Kuh Katharina wird ihren neuen stolzen Besitzern übergebenAuf der Reise lernen wir auch Jörn Grimm kennen, der uns aus erster Hand von dem Kuhprojekt erzählt. Mittlerweile haben wir einer bedürftigen Familie zu einer Kuh samt Kälbchen verholfen, die nach der Tochter eines Kollegen benannt wurde, da sie spontan einen Teil ihres Taschengeldes spendete.

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