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Mit der „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“ in Indien – Ein Erfahrungsbericht

Nina Kolbe mit einer jungen PatientinNina Kolbe  In sechs Wochen wurde mir bei einer Reise quer durch Kerala und Tamil Nadu ermöglicht, einen kleinen Einblick in die verschiedensten Einrichtungen und Projekte der „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“ zu gewinnen und die Arbeit vor Ort mitzuerleben. Es ist schwer in Worte zu fassen, was ich in dieser Zeit erlebt habe. Das Bild von großen braunen Kinderaugen, die einen strahlend und neugierig ansehen und bei einer kleinen freundlichen Geste oder einem Augenzwinkern über das ganze Gesicht zu lächeln anfangen war am einprägsamsten und spiegelt wieder, wie gut und wichtig die Arbeit der Organisation ist.

Besuche in Heimen

Stets begleitet von einem der indischen Mitarbeiter besuchten wir unterschiedliche Mädchen- und Jungenheime. In einigen Heimen, wie dem Jürgen Telkas Children Village, dem Kiwanis Boys´ Home, dem Schwarzenbeker Girls´ Home und dem St. Magdalene Girls´ Home blieben wir für längere Zeit. So hatte ich die Chance, die Kinder besser kennen zu lernen und deren Alltag zu verfolgen. Bemerkenswert war in allen besuchten Heimen die Herzlichkeit, das Miteinander und auch die Disziplin, die von den Kindern und den Mitarbeitern gelebt wird. Auch die Tatsache, dass der Kontakt der Kinder zu ihren Verwandten, sofern sie welche haben, gefördert und auch gefordert wird, ist ein weiterer Punkt, der sich mir positiv erschloss. Die Mädchen beschäftigten sich besonders gern mit dem Versuch, die indische Vorstellung von Frauen hinsichtlich Frisur und Schminke auf uns Europäer zu übertragen, was nicht immer zu vorteilhaften Ergebnissen führte. Die Jungen hingegen widmeten sich mit Vorliebe dem Cricketspiel, bei dem meine Leistungen meistens mit einem vorzeitigem „out“ belohnt wurden.

Besuche bei Familien

Im Rahmen der Familienhilfe haben wir in verschiedenen Regionen Familien aufgesucht und  sahen, wie unterschiedlich die Problemlagen der Menschen sind. In einem Fischerdorf in der Nähe von Kovalam besuchten wir eine Familie mit einer etwa dreißigjährigen Tochter, die geistig und körperlich behindert ist und ihr Leben auf dem Boden der Hütte liegend verbringt. Auch wenn die Situation an sich bedrückend wirkte, so war es etwas Gutes, die Möglichkeit zu sehen, dass die Eltern sich und ihre Tochter dank der Patenschaft mit dem nötigsten, wie Essen, Trinken und auch Kleidung versorgen können. Eine andere Familie, in der der Ehemann wenige Tagen zuvor verstorben war und dessen Frau mit ihren kleinen Kindern zurück geblieben ist, hatte einen Antrag auf Aufnahme in das Familienprogramm gestellt. Wir waren beim Erstbesuch dabei, wo es darum ging, die Situation vor Ort zu betrachten. Das Schönste war, dass einer Aufnahme dieser Familie in das Programm nichts entgegen sprach.

Jörn und Christa Grimm´s Day Care Centre

Eine weitere Station der Reise war das Jörn und Christa Grimm´s Day Care Centre, in dem Kinder aus den in der Nähe liegenden Adivasi-Dörfern betreut werden. In einem der Dörfer erlebten wir die Verteilung von Reis, Bohnen und Seife, die je nach aktueller Situation der Adivasifamilien regelmäßig durchgeführt wird. Im Day Care Centre wurde deutlich, dass die sehr kleinen Kinder noch nicht an die Größe und die Hautfarbe der Europäer gewöhnt waren und lautstark und unter Tränen deutlich machten, dass sie den nahen Kontakt auch nicht wünschten. Daran konnten auch mitgebrachten Bälle nichts ändern.

Orthopädiezentrum

Sehr beeindruckend war im Orthopädiezentrum in Mylaudy erleben zu dürfen, wie bei einem Kind oder jungen Menschen die Entscheidung getroffen wurde, dass sie operiert werden können. Was sich dann in den Augen der Patienten und Eltern spiegelte war umwerfend. In der Zeit, als ich da war, lagen insgesamt acht junge Menschen nach der Operation im Reha - Zentrum. Spannend war die Einfachheit der Hilfsmittel zu sehen, die vor Ort gebaut wurden und ihren Zweck erfüllten. Sei es ein Gehwagen aussehend wie ein Puppenwagen aus Holz, der zum Muskelaufbau mit Steinen beschwert und von den Kindern geschoben wurde oder auch ein Spezialgestell für das Bett eines Mädchens, um durch Zug eine Streckung im Bein zu erreichen. Die Mädchen und Jungen strahlten trotz der Schmerzen, die sie erlebten, viel Freude aus und nahmen jede Abwechslung und Ablenkung gern entgegen. Für mich als Krankenschwester aus einem Wohlstandstaat war es schwer, den „geizigen“ Umgang mit Schmerzmitteln zu akzeptieren, doch wurde mir hier die Begrenztheit der vor Ort vorhandenen Medikamente bewusst gemacht.

Wie ich bereits sagte, ist es schwer die Erlebnisse in Indien in Worte zu fassen und das Geschriebene ist nur ein minimaler Ausschnitt dessen, was ich alles gesehen und erlebt habe. Ich bin überzeugt von der Arbeit der „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e.V.“ und beeindruckt von der Vielschichtigkeit und Nachhaltigkeit der Projekte. Es freut mich sehr, die Chance gehabt zu haben nicht nur die Arbeit vor Ort zu sehen, sondern auch so viele tolle Menschen kennen und schätzen gelernt zu habe. Dafür sage ich: Tausend Dank.

Nina Kolbe