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Lina Nagel – Meine Indienreise 2009

Zwei unvergessliche Monate reiste ich mit den Mitarbeitern der Patengemeinschaft durch Kerala und Tamil Nadu. Es ist wirklich schwer, meine Erlebnisse und tausend neue Eindrücke in Worte zu fassen und in einen Bericht aufzuschreiben. Dank der Mitarbeiter der Patengemeinschaft, die mir geduldig jede Frage beantwortet haben, war es mir möglich, wenigstens einen kleinen Teil dieser ganz anderen Kultur zu verstehen. Trotz vorheriger Gespräche mit Indienreisenden war doch einiges anders als ich es mir vorgestellt hatte. Anfangs musste ich mich an all die neuen Eindrücke und die neue Umgebung gewöhnen und musste die ersten Tage morgens erst einmal kurz überlegen, wo ich denn überhaupt bin. Es war ja eigentlich alles fremd, die Menschen, das Klima, die Gerüche, das Essen, die Kultur, die Sprache und so weiter.

Baby Paul, ein Mitarbeiter der Patengemeinschaft, der mich die erste Zeit in Indien begleitete, gab sich allergrößte Mühe, es mir so angenehm wie möglich zu machen. Ohne ihn wäre ich anfangs beim Überqueren einer Straße hilflos gewesen. Ja, der Verkehr und das Straßenchaos waren am Anfang wirklich gewöhnungsbedürftig. Als wir einmal zu meinem großen Schrecken auf der entgegengestzten Spur auf einem High-Way fuhren und man mir nur entspannt entgegnete: "Naja das kann schon mal passieren", entschied ich mich mir keine Sorgen mehr zu machen, sondern einfach nur noch aus dem Fenster zu sehen.

Nach einigen Tagen hatte ich mich soweit an meine neue Umgebung gewöhnt, dass ich  meine Reise in vollen Zügen genießen konnte.

Kinderheime und Kinder

Wir besuchten verschiedene Kinderheime der Patengemeinschaft und Heime, die durch die Patengemeinschaft unterstützt werden. Die Kinderheime waren alle unterschiedlich. Die meisten Heime waren schön und hatten ausreichend Platz für die Kinder zum Spielen, bei einigen anderen war es recht eng, was die Kinder aber trotzdem nicht von wildesten Spielen abhielt.

Was in allen Heimen gleich war, war, dass wir von vielen neugierigen, gespannten, aufgeregten Kindern, die sich schnell um einen scharrten, begrüßt wurden. Nach ein paar Minuten hatten die Kinder jegliche Schüchternheit abgelegt und ich fand mich schnell, anfangs etwas überfordert, von einer Schar von Kindern umgeben, die alle durcheinander unverständlich auf mich einredeten.

Schneller als man gucken kann, wird man von den Kindern in ihre Runde integriert, bekommt Lieder vorgesungen, Tänze und Spiele gezeigt. Man selbst ist dann natürlich auch gefordert, Lieder, Gebete und Spiele aus der Heimat vorzutragen, was zu einer echten Herausforderung werden kann.

Es war wirklich erstaunlich, das Miteinander und die Organisation in den Heimen zu beobachten. Der recht strikte Tagesplan der Kinder, der aus Beten, Lernen, Schulzeit, Putzen, Kleidung waschen und natürlich etwas Freizeit besteht, wurde täglich selbstständig und selbstverständlich von den Kindern eingehalten. Die älteren Kinder helfen den Jüngeren bei ihren Aufgaben.

Jeden Sonntag geht es dann für ca. 2-3 Sunden in die Kirche, im Anschluss dann oftmals weiter zur Bibelschule.

An einem Morgen habe ich die Kinder  in die Schule begleitet. Dort ging es eher weniger diszipliniert und organisiert zu. Das Ganze würde ich, verglichen  mit dem einer deutschen Schule, als Lernen unter erschwerten Bedingungen bezeichnen.
Den Kinderheimen sind teilweise noch andere Einrichtung wie Computerschulen oder Schneiderschulen angeschlossen. Hier haben Frauen aus der Umgebung oder auch Kinder aus den Heimen die Möglichkeit zusätzliche Fähigkeiten zu erlernen.

Das Zonta-Haus

Da ich ausgebildete Schneiderin bin, interessierte ich mich sehr für die Schneiderschulen. Eine dieser Schulen ist das sogenannte Zonta-Haus, das sich auf dem Gelände des Orthopädiezentrums in Mylaudy befindet. Einige Tage verbrachte ich in der Schneiderschule mit den indischen Frauen und Mädchen, die dort lernen zu nähen. In der Schneiderei stehen den Frauen ca. 10 Maschinen und ein Handwebstuhl zur Verfügung. Unter anderem fertigen die Schneiderinnen kleine Täschchen an, die in Deutschland zu einem fairen Preis vertrieben werden. Für mich war es sehr beeindruckend und unvorstellbar, mit welch einfachen Werkzeugen und Maschinen die Frauen dort arbeiten. So musste ich erst einmal auf den unmotorisierten Maschinen und mit den vorhandenen Mitteln "indisch nähen" lernen. Die Verarbeitungstechniken "nach Augenmaß" irritierten mich anfangs etwas. Trotzdem war es schon bewundernswert, wie souverän die Mädchen mit diesen einfachen Mitteln gearbeitet haben. Was für mich eigentlich eher improvisiertes Nähen war, ist für die indischen Frauen Alltag. Zum Beispiel gehörte auch das Bügeln auf einer großen Tischplatte dazu. Nach etwas Übung und mit gebrochenen Englisch tauschten wir unser Wissen gegenseitig aus und konnten so auch das ein oder andere voneinander lernen.

Das "Kuhprojekt"

Unter anderem konnte ich das von Joern Grimm ins Leben gerufene "Kuhprojekt" begleiten. Hierbei werden im Auftrag von "Kuh-Sponsoren" aus Deutschland, Kühe an arme bedürftige Familien verteilt, die sich mit dem Besitz einer Kuh und deren Milchproduktion ein neues Standbein aufbauen können.

Wir brachten also Käufer und Verkäufer zusammen und dokumentierten fleißig mit Fotos für die Sponsoren den Kuhhandel. Teilweise wurden die Kühe mit einem Namensschild nach dem Sponsor getauft.

Die stolzen neuen Besitzer der Kühe luden uns oftmals aus Dankbarkeit noch auf ein Tee und einige Knabbereien ein, was mir ein paar Einblicke in die Lebensweise der Familien ermöglichte. Die Häuser waren sehr einfach, hatten aber trotzdem eine angenehme freundliche Atmosphäre, wozu natürlich auch die gastfreundlichen Familien beitrugen.

Dieser Bericht ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt von dem was ich alles erlebt habe. Ich erinnere mich immer wieder gerne an diese, für mich, spannende und aufregende Zeit zurück. Öfter muss ich, wenn ich an bestimmte Situation denke, schmunzeln, weil die indische Kultur in einiger Hinsicht so herrlich erfrischend unkompliziert ist. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne daran, wie wir mit drei Kinderheimen einen Tierpark besuchten, die Musik im Bus aufs Lauteste aufgedreht wurde, so dass es alle von den Sitzen riss und im Gang ausgelassen getanzt und gesungen wurde.

Natürlich gibt es auch Dinge, die weit weg und unvorstellbar für mich waren, beispielsweise die strengen Familientraditionen auf dem Land und die Art des Umgangs mit Liebesangelegenheiten.

Auf jeden Fall bin ich sehr dankbar dafür, dass  die Patengemeinschaft es mir ermöglicht hat, zum einen ihre Arbeit und zum anderen das Land und die Leute kennenzulernen. Es war eine horizonterweiternde Reise, auf der ich einige tolle Menschen kennengelernt habe, die sich so herzlich für die Kinder einsetzen.